FLINDERER

Jura-Bräu | Flindererumzug

Jedes Jahr zwischen April und Juni wird in Pegnitz geflindert. Diese Tradition geht auf eine Übereinkunft von 1728 zurück. In einer Information vom 17. März 1852 wird definiert, dass “Brauberechtigte während der Wintermonate ihr Schenkrecht ungehindert ausüben dürfen, dass dagegen während der Sommermonate in der Regel vom 1. März bis Ende September, Anfangs Oktober die Berechtigung zum Bierschenken von Woche zu Woche wechselt, ein Institut, der Flinderer genannt”.

Heute wird das Flindererbier noch von den beiden Pegnitzer Brauereien gebraut. Es wird abwechselnd wöchentlich in verschiedenen Pegnitzer Gaststätten geflindert. Typisch sind für den Flinderer auch die besonderen Spezialitäten vom Schwein: Bratwürste, Blut- und Leberwürste, roter und weißer Presssack, Tellersülze, Kesselfleisch, Rippla, Krenfleisch und Schweinebraten mit Klößen sind äußerst beliebte Gerichte.

Das Wort „Flinder“ ist aus neueren deutschen Lexika meist verschwunden. Das Mittelhochdeutsche kennt das Wort “flinderlin”, neuhochdeutsch mit „Flinder“ oder „Flitter“ zu übersetzen. Dabei handelt es sich um kleine Blechmünzen, die noch im 16. Jahrhundert Bestandteil von Frauentrachten waren. Mit dem heutigen „Flinderer“ hängt diese Bedeutung insofern zusammen, als dass es Tradition ist, während der Flindererzeit vor dem Gasthaus blinkende und flatternde Bänder in einen Kranz oder Busch einzubinden. Das Glänzen und die Bewegung der Bänder soll auf den Ausschank des Flindererbiers hinweisen. Die Flinderertermine für das Jahr 2017 finden Sie hier.

Der Pegnitzer Mundartdichter Walter Tausendpfund hat ein Gedicht zum Flinderer verfasst:

Flinderer

Biier vom Faß -
schee drüüb und schdarg,
Werdshausbenk
am Schdraßenrand…

Bluudwerschd
Kraudwerdschd,
Kesslflaisch,
Klöß mid Sooß
und Krenflaisch drin,
Broodwerschd
Kraud und Brood,
Schdadwurschd
odde Bressack bloß…

Nachbern,
Fraindle
und suu Laid,
Menne, Waibe,
Klaane, Grouße,
Arme, Reiche,
Schäine, Krumme,
Lange, Digge…,
edsed sen se alle gleich…

wenn kaa Blads is,
rugg me zamm…

zoubrosd,
gsuffn…,
roude Kebf
und dann bloß no
Duzfraindschafd…

gred und gred
und Schmarrn vezelld,
Bleedsinn
und e Schbessle gmachd
und am end aa bloß no glachd…

Suu woor's
fai scho imme gween,
Flindern is hald
suu arch schee.

Quelle: Tausendpfund, Walter (2011): Bengeds Bildle, Pegnitz: Walter Tausendpfund (Selbstverlag), S. 90f.
www.walter-tausendpfund.de